Kurzantwort

Ein pharmazeutisches Vision-Inspektionssystem ist ein automatisiertes, kamerabasiertes System, das jede Einheit auf einer Verpackungslinie anhand eines definierten Standards prüft und fehlerhafte Einheiten ausschleust. Es kontrolliert Produkt, Verpackung, Etikettierung und aufgedruckte Codes in Liniengeschwindigkeit, speichert das Ergebnis für jede Einheit und schleust Fehler aus, bevor sie in nachgelagerte Prozesse gelangen. In einer GMP-Umgebung erzeugt es zudem den Audit-Trail, der das Prüfergebnis als Nachweis verwertbar macht.

Eine Linie, die Tausende Einheiten pro Minute verarbeitet, lässt sich nicht von einem Bediener prüfen, der sie vorbeilaufen sieht. Die manuelle Prüfung erfolgt stichprobenartig, ihre Qualität lässt im Laufe einer Schicht nach, und die Fehler, auf die es in der Pharmaindustrie am meisten ankommt, sind genau die, die fast richtig aussehen.

Dieser Artikel erklärt, was ein Vision-Inspektionssystem leistet, welches Problem es löst, wie es Schritt für Schritt funktioniert, welche Systemtypen in der Pharmaindustrie eingesetzt werden, wo es an der Linie zum Einsatz kommt und wie es die Einhaltung regulatorischer Anforderungen unterstützt.

Er ist Teil des umfassenden Leitfadens zu Vision-Systemen in der pharmazeutischen Herstellung.

Was ist ein pharmazeutisches Vision-Inspektionssystem?

Ein pharmazeutisches Vision-Inspektionssystem ist ein automatisiertes Prüfsystem, das auf Kameras, kontrollierter Beleuchtung und Bildanalyse-Software basiert. Es nimmt an einem festen Punkt der Linie ein Bild jeder Einheit auf, vergleicht dieses Bild mit den für das Produkt definierten Kriterien und reagiert auf das Ergebnis.

Für jede Einheit, die die Station passiert, laufen drei Funktionen nacheinander ab.

  • Erfassen. Hochauflösende Kameras nehmen die Einheit unter einer Beleuchtung auf, die auf die gesuchten Fehlerklassen ausgelegt ist.
  • Vergleichen. Das Bild wird an einem definierten Standard gemessen: Abmessungen, Farbe, Position, Druckinhalt, Codequalität.
  • Handeln. Eine fehlerhafte Einheit wird in eine gesicherte Station ausgeschleust, und das Ergebnis wird in einem Datensatz gespeichert, der später überprüft werden kann.

Die dritte Funktion unterscheidet ein pharmazeutisches System von einem allgemeinen Industriesystem. In einem regulierten Umfeld ist das Prüfergebnis ein Nachweis. Der Datensatz muss daher einem Audit standhalten und nicht nur die Linie informieren.

Welches Problem löst ein Vision-Inspektionssystem?

Auf pharmazeutischen Verpackungslinien sind drei Anforderungen zusammengekommen, und keine davon lässt sich durch zusätzliche Prüfer lösen.

Warum ist die Null-Fehler-Erwartung in der Pharmaindustrie so wichtig?

In den meisten Branchen verursacht ein Fehler Qualitätskosten. In der Pharmaindustrie kann er ein Ereignis für die Patientensicherheit und ein Rückruf sein.

Eine falsch etikettierte Faltschachtel liefert einem Patienten das falsche Produkt oder die falsche Wirkstärke. Eine fehlende Tablette im Blister verändert eine Dosis. Ein gesprungenes Vial oder eine beschädigte Versiegelung beeinträchtigt die Sterilität. Keiner dieser Fälle ist als statistisches Ergebnis akzeptabel. Deshalb lassen sich Stichprobenpläne, die anderswo funktionieren, hier nicht übertragen.

Das finanzielle Risiko folgt derselben Logik. Ein Rückruf kostet weit mehr als die Prüfausrüstung, die den Fehler erkannt hätte, und die Auswirkungen auf den Ruf eines Produkts halten länger an als der Rückruf selbst.

Wie wirken sich Rückverfolgbarkeitsvorschriften (DSCSA, EU-FMD) auf die Inspektion aus?

Die Serialisierung hat jede verkaufsfähige Einheit einzigartig gemacht, und das hat den Zweck der Inspektion verändert.

Ein gedruckter 2D-Data-Matrix-Code ist nur dann nützlich, wenn er lesbar, korrekt codiert und dem richtigen Produkt zugeordnet ist. Diese Prüfung muss an der Linie und an jeder Einheit erfolgen, denn ein unlesbarer Code, der erst im Distributionszentrum entdeckt wird, wird zur Retoure statt zum Verkauf. Nach dem DSCSA kann die Einheit vom Empfänger nicht verifiziert werden. Nach der EU-FMD kann sie in der Apotheke nicht ausgebucht werden.

Deshalb ist die Vision-Station auf einer serialisierten Linie nicht mehr nur eine Qualitätsfunktion. Sie ist das Tor, das entscheidet, ob eine Seriennummer in die Lieferkette gelangen darf.

Warum kann die manuelle Inspektion nicht mit der Liniengeschwindigkeit mithalten?

Moderne Zähl-, Blister- und Kartonierlinien laufen mit Geschwindigkeiten, bei denen ein Mensch nicht jede Einheit physisch prüfen kann. Hochgeschwindigkeits-Tablettenzählanwendungen prüfen einzelne Dosen mit Raten von mehreren Zehntausend pro Minute.

Selbst bei moderaten Geschwindigkeiten hat die manuelle Inspektion bekannte Grenzen. Sie erfolgt stichprobenartig statt vollständig, sodass ein Fehler zwischen zwei Stichproben durchrutschen kann. Die Erkennungsgenauigkeit sinkt im Laufe einer Schicht. Verschiedene Prüfer wenden dieselben Kriterien unterschiedlich an, und derselbe Prüfer wendet sie in der siebten Stunde anders an als in der ersten. Ermessensentscheidungen bei Grenzfällen werden nicht so dokumentiert, dass sie später überprüft werden können.

Die automatisierte Inspektion ersetzt Stichproben durch eine Prüfung jeder Einheit, die zu Beginn und am Ende einer Schicht identisch angewendet wird, mit einem Datensatz für jede Entscheidung.

Wie funktioniert ein pharmazeutisches Vision-Inspektionssystem?

Fünf Schritte, ausgeführt in Millisekunden, bevor die Einheit die nächste Station erreicht.

Schritt 1: Bildaufnahme

Ein Sensor erkennt, dass die Einheit den Prüfpunkt erreicht, und löst die Kamera aus. Die Kamerawahl richtet sich nach dem Fehler: Die Auflösung muss so hoch sein, dass der kleinste relevante Fehler genügend Pixel abdeckt, um zuverlässig gemessen zu werden, und die Bildrate muss zur Liniengeschwindigkeit passen, damit die Einheit jedes Mal in derselben Position erfasst wird.

Schritt 2: Beleuchtung

Bei den meisten pharmazeutischen Fehlern ist die Beleuchtung wichtiger als die Kameraauflösung, denn erst der Kontrast macht einen Fehler überhaupt sichtbar. Ein Haarriss im Glas, eine leicht schief sitzende Flip-off-Kappe und ein kontrastarmer Data-Matrix-Code auf einer glänzenden Faltschachtel erfordern jeweils eine andere Beleuchtungsgeometrie. Durchlicht-, Koaxial-, Dom- und Dunkelfeldanordnungen werden gezielt für das jeweilige Produkt und Behältnis ausgewählt und nicht pauschal eingesetzt. Ein System, das mit einer Fehlerklasse Probleme hat, hat meist ein Beleuchtungsproblem.

Schritt 3: Bildverarbeitung

Das aufgenommene Bild wird mit dem Rezept für dieses Produkt verglichen: Maßtoleranzen, erwartete Farbwerte, erwarteter Text, erwarteter Codeinhalt, akzeptable Druckqualitätsstufe. Regelbasierte Werkzeuge erfassen Fehler, die sich präzise definieren lassen. Trainierte Modelle erfassen Fehler, die leichter zu erkennen als zu spezifizieren sind.

Schritt 4: Entscheidung

Das System gibt für jede Einheit anhand der definierten Kriterien ein Gut- oder Schlecht-Ergebnis aus. Dabei sind zwei Fehlerarten entscheidend, und sie wirken in entgegengesetzte Richtungen. Eine Fehlannahme lässt einen Fehler durch. Ein Fehlauswurf verwirft gutes Produkt. Wird ein System so eingestellt, dass Fehlannahmen vollständig ausgeschlossen werden, steigen die Fehlauswürfe. Das Rezept muss daher die reale Produktionsvarianz abbilden und nicht eine ideale Probe.

Schritt 5: Ausschleusung

Fehlerhafte Einheiten werden über eine Weiche, einen Schieber oder einen Luftstoß in eine gesicherte Ausschleusstation befördert, und das Ereignis wird mit dem zugehörigen Bild gespeichert. In der Pharmaindustrie ist die Ausschleusstation verschlossen oder kontrolliert, und ausgeschleuste Einheiten müssen erfasst werden, damit die Mengenbilanz beim Chargenabschluss aufgeht.

Bei Hochgeschwindigkeits-Zählanwendungen läuft dieselbe Abfolge auf Ebene der einzelnen Dosis ab. Der CountSafe EC von OPTEL beispielsweise verfolgt Tabletten auf einer Vibrationsrinne durch Einlauf-, Prüf- und Ausschleuszonen, wobei eine Kamera sechs Spuren abdeckt und jede Spur eine eigene Luftdüse hat, auf Zählern mit 12, 24 oder 48 Kanälen. Nur die fehlerhafte Tablette wird ausgeworfen, sodass die Linie weiterläuft. (Quelle: Datenblatt OPTEL CountSafe EC.)

Welche Arten von Vision-Inspektionssystemen werden in der Pharmaindustrie eingesetzt?

Vier Kategorien decken nahezu alle pharmazeutischen Anwendungen ab. Die meisten Standorte setzen mehr als eine ein, denn die richtige Wahl hängt vom Fehler ab und nicht von einer allgemeinen Vorliebe.

Was ist ein 2D-Vision-System?

Ein 2D-System nimmt ein flaches Bild auf und analysiert es in einer einzigen Ebene, in Graustufen oder in Farbe. Es prüft Anwesenheit und Abwesenheit, Position, Abmessungen in zwei Achsen, Farbe und Druckinhalt und übernimmt das Lesen und Bewerten von Barcodes.

Es ist das Arbeitspferd der pharmazeutischen Verpackung. Etikettenposition, Faltschachteldruck, Data-Matrix-Bewertung, Tablettenfarbe und -form sowie die Vollständigkeit von Kits sind allesamt 2D-Aufgaben. 2D ist schneller und günstiger zu implementieren als 3D und einfacher zu validieren, da sich die Messung leicht in einem Protokoll beschreiben lässt.

Was ist ein 3D-Vision-System?

Ein 3D-System ergänzt Höhe und Tiefe, typischerweise durch Lasertriangulation, strukturiertes Licht oder Stereokameras. Es misst Geometrien, die ein flaches Bild nicht auflösen kann.

Typische pharmazeutische Anwendungen sind der Sitz der Verschlusskappe, das Bördelprofil, die Füllhöhe im Behältnis, die Stopfenposition, das Siegelprofil, Prägungen sowie die Stapelgeometrie von Versandkartons oder Paletten. 3D ist teurer, langsamer und aufwendiger einzurichten und wird daher gezielt für Fehler eingesetzt, die tatsächlich Tiefeninformationen erfordern.

Was ist ein KI-gestütztes Vision-System?

Ein KI-gestütztes System verwendet Modelle, die mit Bildern guter und fehlerhafter Produkte trainiert wurden, statt fester Regeln, die ein Ingenieur geschrieben hat. Es ist das richtige Werkzeug für Fehlerklassen, die leichter zu erkennen als zu definieren sind, etwa kosmetische Abweichungen bei Tabletten, Oberflächenstrukturen oder Produkte mit natürlicher Erscheinungsvarianz, die bei regelbasierten Toleranzen Fehlauswürfe verursachen.

Zwei Punkte sollten Sie einplanen. Das System benötigt einen repräsentativen Bilddatensatz, der echte Fehler enthält und nicht nur idealisierte. Und das Modell befindet sich in einer validierten Umgebung, sodass Modellaktualisierungen genauso der Änderungskontrolle unterliegen wie eine Rezeptänderung. Behandeln Sie beides als Teil des Projekts und nicht als etwas, das nach dem Go-live geklärt wird.

Weitere Details finden Sie in unserem Artikel zur KI-gestützten Vision-Inspektion.

Was ist ein Smart-Kamera-System?

Eine Smart-Kamera vereint Sensor, Prozessor, Beleuchtung und E/A in einem einzigen Gehäuse. Sie arbeitet eigenständig, benötigt wenig Platz und kostet weniger als ein PC-basiertes System. Damit ist sie eine praktische Wahl für eine einzelne, klar definierte Prüfung auf einer Linie mit begrenztem Platz.

Der Kompromiss liegt in der Kapazität. Komplexe Prüfungen, mehrere synchronisierte Kameras, hohe Liniengeschwindigkeiten und große Rezeptbibliotheken bewältigt ein PC-basiertes System mit separatem Controller und separaten Kameras besser. Eine nützliche Faustregel: eine Prüfung, eine Smart-Kamera; mehrere Prüfungen, die bei derselben Einheit übereinstimmen müssen, ein PC-basiertes System.

Einen ausführlicheren Vergleich finden Sie in unserem Überblick über die verschiedenen Arten von Vision-Inspektionsausrüstung.

Wo wird Vision-Inspektion in der pharmazeutischen Herstellung eingesetzt?

Die Anwendungen reichen von der Darreichungsform bis zum Versandkarton.

Tabletten- und Kapselinspektion

Farbe, Größe, Form, Vorhandensein und Unversehrtheit von Tabletten und Kapseln in Slat-Fillern und Flaschenabfüllern. Typischerweise erkannte Fehler: zerbrochene Tabletten, falsche Farbe als Hinweis auf ein falsches Produkt, übergroße Einheiten, Fremd- oder Fehlprodukte, Oberflächenfehler. Die Ausschleusung erfolgt, bevor die Dosis die Flasche erreicht. Das schützt sowohl vor Kreuzkontamination als auch vor einer falschen Zählung.

Blisterinspektion

Prüfung Kavität für Kavität auf fehlende, zerbrochene, verfärbte oder falsch positionierte Tabletten und Kapseln sowie auf Siegelintegrität und den Druck der Deckfolie. Da ein Blister unmittelbar nach dem Befüllen versiegelt wird, muss die Inspektion im kurzen Zeitfenster vor dem Siegeln erfolgen. Kamerapositionierung und Beleuchtungsdesign werden damit zu einer Randbedingung der Maschine und nicht zu einem nachträglichen Detail.

Vial- und Ampulleninspektion

Füllhöhe, Unversehrtheit des Glasrings, Risse, Position und Farbe von Stopfen und Flip-off-Kappe, Bördelintegrität, Vorhandensein und Position des Etiketts. Glas und Flüssigkeiten sind optisch anspruchsvoll, daher kombiniert diese Anwendung oft mehrere Beleuchtungsgeometrien und manchmal 3D.

Weitere Details finden Sie in unserem Artikel über Inspektionssysteme für Vials und Ampullen.

Etiketteninspektion

Vorhandensein, Ausrichtung, Position und Überlappung von Etiketten. Druckqualität und Artwork. Zeichenprüfung, meist als OCV und OCR bezeichnet, für Chargennummer, Verfalldatum, NDC oder DIN, Etiketten-ID und Seriennummer. In der Praxis ist dies die größte Kategorie, da Etikettierfehler zu den häufigsten Ursachen pharmazeutischer Rückrufe gehören.

Weitere Details finden Sie in unserem Artikel über Etiketteninspektionssysteme.

Faltschachtel- und Versandkarton-Inspektion

Faltschachteldruck und variable Daten, Vorhandensein und Format von Packungsbeilage oder Einleger, Unversehrtheit des Erstöffnungsschutzes und auf Versandkartonebene Anzahl, Inhalt und gedrucktes Kartonetikett. Bei der Inspektion auf Versandkartonebene treffen Verpackungsqualität und Rückverfolgbarkeit aufeinander, denn das Kartonetikett ist die übergeordnete Kennung im Aggregationsdatensatz.

Serialisierung und Codeverifizierung

Lesen des 2D-Data-Matrix-Codes, Prüfung, ob der codierte Inhalt mit dem aufgedruckten Klartext übereinstimmt, und Bewertung der Druckqualität nach ISO/IEC-Normen, damit grenzwertige Codes an der Linie erkannt werden und nicht erst beim Empfänger.

An diesem Punkt werden Inspektion und Rückverfolgbarkeit zu einem einzigen Workflow: Der Code wird gedruckt, gelesen und bewertet, und erst dann wird die Seriennummer aktiviert (Commissioning). Dieselbe Logik gilt auf Versandkartonebene, wo das Kartonetikett verifiziert werden muss, bevor das Aggregationsereignis geschrieben wird. In unserem Leitfaden zu den Anforderungen an Serialisierung und Aggregation erfahren Sie, wie die beiden Ebenen zusammenhängen.

InspectProof von OPTEL deckt die Inspektion von Produkten, Verpackungen, Etiketten und Kits mit mehr als 60 Inspektionsfunktionen ab. Konfigurationsoptionen finden Sie auf der Lösungsseite zu Vision-Systemen.

Wie unterstützt die Vision-Inspektion die Einhaltung regulatorischer Anforderungen?

Ein Vision-System im pharmazeutischen Umfeld bringt Dokumentationspflichten mit sich, die ein Industriesystem nicht hat. Die Anforderungen kommen aus mehreren Richtungen gleichzeitig, und es lohnt sich, diesen Abschnitt zusammen mit unserem Überblick über die wichtigsten pharmazeutischen Vorschriften zu lesen.

Was ist FDA 21 CFR Part 11?

21 CFR Part 11 legt fest, unter welchen Bedingungen die FDA elektronische Aufzeichnungen und elektronische Signaturen anstelle von Papier akzeptiert. Die Vorschrift gilt, wenn Aufzeichnungen, die eine zugrunde liegende Regelung verlangt, elektronisch geführt werden. Siehe die FDA-Leitlinie zu Geltungsbereich und Anwendung von 21 CFR Part 11.

Für ein Vision-System sind die praktischen Anforderungen immer dieselben: validierte Software, sicherer Benutzerzugang mit individuellen Konten, Audit-Trails, die festhalten, wer was wann geändert hat, Schutz der Aufzeichnungen über die gesamte Aufbewahrungsfrist und die Möglichkeit, genaue Kopien für Inspektionen bereitzustellen. Rezepte sind gelenkte Dokumente, daher müssen Rezeptänderungen eingeschränkt und nachvollziehbar sein.

Hinzu kommen Regeln für den Codeinhalt. Formate von Produktkennungen ändern sich, und ein Vision-Rezept muss dann entsprechend aktualisiert werden. Das ist die operative Seite von Änderungen wie der 12-stelligen NDC-Regel.

Was verlangt die GMP?

Die GMP-Anforderungen für Fertigarzneimittel betreffen Verpackungs- und Etikettiervorgänge unmittelbar, einschließlich der Prüfung der Kennzeichnungsmaterialien vor der Verwendung und der Inspektion verpackter Produkte auf korrekte Kennzeichnung. Automatisierte Prüfgeräte sind als Mittel zur Durchführung dieser Prüfung anerkannt, sofern sie qualifiziert und kontrolliert sind.

In der Praxis bedeutet das vier Punkte für ein Vision-Projekt:

  • Qualifizierung. Die IQ- und OQ-Dokumentation sollte Teil des gelieferten Systems sein und nicht im Nachhinein erstellt werden. Klären Sie, was zum Standardumfang gehört und was separat beauftragt wird.
  • Line Clearance. Das System muss einen verifizierten Produktwechsel unterstützen, damit kein Material aus dem vorherigen Lauf in den nächsten gelangt.
  • Abgleich der Ausschleusungen. Ausgeschleuste Einheiten werden erfasst, und die Mengenbilanz geht beim Chargenabschluss auf.
  • Aufbewahrung von Aufzeichnungen. An vielen Standorten sind Fehlerbilder Teil des Chargenprotokolls. Legen Sie die Speicherrichtlinie vor dem Go-live fest und nicht erst nach der ersten Abweichung.

Standorte, die Injektabilia herstellen, arbeiten zudem nach den Erwartungen der Arzneibücher an die Prüfung auf sichtbare Partikel. Diese werden in unserem Artikel zu den USP-Richtlinien für die visuelle Inspektion behandelt.

Compliance-Prüfung vor der Veröffentlichung: Der GMP-Absatz verweist allgemein auf die Bestimmungen von 21 CFR 211 zur Prüfung von Kennzeichnungsmaterialien, ohne einen bestimmten Unterabschnitt zu zitieren. Wenn Ihr Compliance-Team die genaue Klausel nennen möchte, würde das die Seite stärken. Der Satz zur USP sollte mit dem Artikel abgeglichen werden, der in der Gliederung als Cluster 5 vorgesehen ist.

Wie unterstützt die Vision-Inspektion die Einhaltung von DSCSA und EU-FMD?

Beide Regelwerke setzen einen Code voraus, der später von jemand anderem an einem anderen Ort zuverlässig gelesen werden kann. Der DSCSA verlangt Produktkennungen auf Packungsebene und einen interoperablen elektronischen Datenaustausch. Die EU-FMD verlangt ein individuelles Erkennungsmerkmal, das bei der Abgabe verifiziert und ausgebucht wird.

Die Vision-Inspektion macht diese Abhängigkeit sicher. Sie bewertet den gedruckten Code nach ISO-Normen, damit ein grenzwertiger Druck erkannt wird, solange sich die Einheit noch auf Ihrer Linie befindet, prüft, ob die codierten Daten mit dem Klartext übereinstimmen, und verhindert, dass ein fehlerhafter Code als aktive Seriennummer freigegeben wird. Auf Versandkartonebene verifiziert sie das übergeordnete Etikett, bevor der Aggregationsdatensatz geschrieben wird.

Wenn Ihr Standort sowohl Arzneimittel als auch Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel herstellt, finden Sie die Parallelen zwischen beiden Rückverfolgbarkeitssystemen in unserem Artikel zu den Compliance-Anforderungen von DSCSA und FSMA.

Vision-Inspektionssystem vs. manuelle Sichtprüfung

Kriterium Manuelle Sichtprüfung Automatisierte Vision-Inspektion
Abdeckung Stichprobenartig 100 % der Einheiten
Konsistenz Abhängig von Prüfer und Schichtstunde Identische Kriterien für jede Einheit
Geschwindigkeit Begrenzt durch menschliche Kapazität Entspricht der Liniengeschwindigkeit, bis in die Tausende Einheiten pro Minute
Kleinster erkennbarer Fehler Begrenzt durch Sehvermögen und Ermüdung Begrenzt durch Optik und Beleuchtungsdesign
Code- und Druckprüfung Auf Einheitenebene nicht praktikabel Liest, verifiziert und bewertet jeden Code
Dokumentation jeder Entscheidung Selten erfasst Ergebnis und Bild pro Einheit gespeichert
Auditnachweis Bedienerprotokolle und Stichprobenpläne Audit-Trail, gespeicherte Bilder, Chargenabgleich
Hauptrisiko Übersehene Fehler zwischen Stichproben Fehlauswürfe bei zu eng eingestelltem Rezept
Am besten geeignet für Untersuchung, Fehlerklassifizierung, nicht automatisierbare Prüfungen Kontinuierliche Inline-Inspektion

Beide Ansätze ergänzen sich, statt sich auszuschließen. Die automatisierte Inspektion übernimmt die Routineprüfung jeder Einheit. Die manuelle Prüfung bleibt für die Untersuchung von Ausschleusungen, die Fehlerklassifizierung während der Entwicklung und Prüfklassen, die sich auf einer bestimmten Linie nicht automatisieren lassen.

FAQ

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein pharmazeutisches Vision-Inspektionssystem nimmt ein Bild jeder Einheit auf, vergleicht es mit einem definierten Standard, schleust fehlerhafte Einheiten aus und speichert das Ergebnis.
  • Stichproben decken das Risiko nicht mehr ab, weil die Liniengeschwindigkeiten zu hoch sind, die Fehlertoleranz praktisch bei null liegt und die Serialisierung die Prüfung jedes gedruckten Codes verlangt.
  • Der Prozess umfasst fünf Schritte: Bildaufnahme, Beleuchtung, Bildverarbeitung, Entscheidung, Ausschleusung. Das Beleuchtungsdesign bestimmt das Ergebnis stärker als die Kameraspezifikation.
  • 2D-Systeme decken die meisten Verpackungsanwendungen ab. 3D ergänzt Tiefeninformationen für Geometrien wie Füllhöhe und Kappensitz. KI erfasst Fehler, die leichter zu erkennen als zu definieren sind. Smart-Kameras eignen sich für eine einzelne, klar definierte Prüfung.
  • Die Anwendungen reichen von der Tabletten- und Kapselinspektion über Blister, Vials, Etiketten und Faltschachteln bis zur Codeverifizierung auf Versandkartonebene.
  • Compliance hängt von validierter Software, Audit-Trails, gelenkten Rezepten, dem Abgleich der Ausschleusungen und einem mit dem System gelieferten Qualifizierungspaket ab.
  • Auf einer serialisierten Linie ist die Vision-Station das Tor, das entscheidet, ob eine Seriennummer in die Lieferkette gelangt.

Weiterführende Informationen

Einen vollständigen Überblick über den gesamten Produktionslebenszyklus bietet der umfassende Leitfaden zu Vision-Systemen in der pharmazeutischen Herstellung. Konfigurationsoptionen und technische Spezifikationen finden Sie auf der Lösungsseite zu Vision-Systemen. Wenn Sie gerade Anbieter in die engere Wahl ziehen, erläutert unser Artikel zur Auswahl eines Machine-Vision-Anbieters die Bewertungskriterien, auf die es bei einer technischen Prüfung ankommt.

OPTEL entwickelt und fertigt seit 1989 Inspektionssysteme für regulierte Branchen und hat weltweit mehr als 6.000 Systeme im Einsatz.